Batzenhofen im Wandel der Zeit

Batzenhofen liegt an den östlichen Hügelausläufern des sogenannten "Rauhen Forstes", der zum Naturpark Augsburg westliche Wälder gehört, am linken Schmutterufer. Das hügelige Gemeindegebiet weist Höhen zwischen 449 und 520 m über NN auf. Die Gemeinde kann auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblicken. Am Katharinaberg fanden sich über 500 regelmäßig angelegte Gruben, die von Sachkundigen auf die Zeit der Kelten ca. 500 v. Chr. datiert wurden. Die Entstehung des Ortes ist vermutlich um 800 anzusetzen, wo sich viele Orte, die auf "...hofen" enden, bildeten. Der frühe Name Pazcinhova wird als "Hof des Bazzo" (= Kämpfer), aber auch als Verbindung des lateinischen "pascua" (=Weide) mit dem alemannischen "hofa, hufa, huba" (=Gehöft) gedeutet.
Aus Pazcinhova hatte sich bereits im 13. Jahrhundert "Bazenhoven", der Vorläufer des heutigen Ortsnamens Batzenhofen gebildet. Bis 838 gehörte es zum Stift Kempten und 969 wurden Besitzungen in Batzenhofen an das von Bischof Ulrich gegründete Kloster St. Stephan verschenkt. Aufgrund dieser Schenkungsurkunde konnte die Gemeinde bereits im Jahr 1969 ihre 1000-Jahrfeier begehen.

Bischof Ulrich von Augsburg beurkundete im Jahre 969 die Gründung des Kanonissenstifts St. Stephan.
In der Urkunde findet sich ein Hinweis auf Batzenhofen ("Pazenhoua").


Das Kloster St. Stephan baute ein Schloß, das den Stiftsdamen als Sommerresidenz und Erholungsort diente. Später kamen ein Brauhaus mit Schankwirtschaft hinzu. 1925 wurde der ganze Komplex an die "Innere Mission" verkauft und wird seitdem als Seniorenheim "Sonnenhof" genutzt. Nach und nach kam allmählich das ganze Dorf in den Besitz des Damenstiftes, das die Grundherrschaft bis zur Säkularisation im Jahre 1803 ausübte. Aus dieser Zeit, als Ihre Gnaden, die Hochadelige Äbtissin des Reichsfreien Damenstifts St. Stephan zu Augsburg Regentin über Batzenhofen war, ist uns folgende Weisung Überliefert: "Mit wahrem Schmerz und zu unserem höchsten Mißfallen haben wir in Erfahrung bringen müssen, daß die Bauern unserer Herrschaft Batzenhofen in ihrer Perversität so weit gehen, daß sie sich nicht nur selbst rasieren, sondern daß sogar hie und da einer den anderen rasiert. Wozu haben wir in landesmütterlicher Fürsorge in jedem unserer Dörfer einen geprüften und in seinen Geschäften wohlerfahrenen Balbierer aufgestellt? Wir verfügen deshalb von neuem, daß sich fortan ein jeder unserer Untertanen allwöchentlich wenigstens einmal zu seinem vorgesetzten und von hoher Obrigkeit aufgestellten Bader verfüge und sich weder selbst rasiere noch von einem anderen den Bart abkratzen lasse."
 

Ansicht von Batzenhofen mit dem Brauhaus und der Pfarrkirche. Kupferstich von Thomas Weber aus dem Jahre 1795.


Im ältesten Güterverzeichnis von St. Stephan aus dem Jahr 1401 sind in Batzenhofen sieben Anwesen, und zwar vier Bauernhöfe und drei Sölden genannt. 1492, als Kolumbus nach Amerika segelte, gab es in Batzenhofen bereits 22 Gebäude mit Feuerstätte. "Bet Kind bet, morgen kommt der Schwed", dieser Ruf hallte auch durch das beschauliche Dörfchen im Schmuttertal. Im Dreißigjährigen Krieg wurden viele Häuser zerstört und die Hälfte der Bewohner kam ums Leben. 1738 gab es 47 Wohnhäuser. Diese Zahl blieb für über 100 Jahre nahezu unverändert. Die napoleonischen Kriege 1805 bis 1815, die Kriege 1866 und 1870/71 und die beiden Weltkriege forderten ebenfalls ihren Tribut, letzterer auch wieder unter der Zivilbevölkerung. Die älteren Batzenhofener erinnern sich noch an den 27. Februar 1945, als der 2. Weltkrieg Tod und Zerstörung mitten ins Dorf brachte: Eine Bombe traf den Schulhof und riß das Lehrerehepaar Pesta und die Lehrerin Frl. Hummel aus dem Leben. Ein Fresko an der rechten Chorseite der Pfarrkirche St. Martin erinnert an jenen schweren Tag. Die jetzige Pfarrkirche wurde in den Jahren 1719 und 1720 neu erbaut, wobei auf die Bausubstanz eines bereits seit ca. 1500 vorhandenen Gotteshauses aufgesetzt wurde: Teile des gotischen Chors und des Turmes wurden in den Neubau integriert. Der 1705 erbaute Pfarrhof ist einer der ältesten im Landkreis. 1766 entstand die dem Hlg. Sebastian geweihte Kapelle am Friedhof. Der Sage nach sollte die Kapelle ursprünglich am höchsten Punkt des Ortes, am ehemaligen Thing-Platz bei der mächtigen alten Eiche errichtet werden. Doch Nacht für Nacht wanderte das dorthin gebrachte Baumaterial von Geisterhand an die Stelle, wo heute die Kapelle steht. Der Name "Kirchberg" hat sich jedoch bis heute erhalten und sorgt bei Ortsunkundigen für Verwirrung. Das 1908 erbaute Schulhaus wurde 1969 im Rahmen der Schulreform aufgegeben und später abgebrochen. Im Jahr 1912 hielt die Moderne in Batzenhofen Einzug, als der Anschluß ans Licht- und Kraftstromnetz erfolgte. Die elektrische Ortsbeleuchtung ließ jedoch bis 1954 auf sich warten. 1958 wurde die Hauptstraße geteert und der Ort teilkanalisiert. 1966 konnten die hauseigenen Brunnen stillgelegt werden, da die zentrale Wasserversorgungsanlage ihren Betrieb aufnahm. Weitere 10 Jahre sollten vergehen, bis auch die Abwasserfrage durch eine neue Kanalisation gelöst wurde. Im Jahre 1975 entstand das Gemeindezentrum mit Feuerwehrhaus. Drei Jahre später endet die Geschichte von Batzenhofen als selbständiger Gemeinde und es erfolgte die Eingemeindung nach Gersthofen. Dies führte zur Ausweisung weiterer Baugebiete. Durch die Bebauung von Katharinaberg und Kirchberg wird der Ortskern mehr und mehr geschlossen. Die zentrale Lage Batzenhofens zwischen den westlichen Stadtteilen Edenbergen, Hirblingen und Rettenbergen ermöglichte den Neubau eines Pfarrheimes mit Kindergarten, das 1994 seiner Nutzung übergeben wurde.

Es ist davon auszugehen, daß der ruhige, doch verkehrstechnisch günstig gelegene Ort sich im Schatten der Stadt Gersthofen erfolgreich weiterentwickeln wird, ohne seinen eigenen Charakter einzubüßen.

Franz X. Köhler


Batzenhofen aus der Vogelperspektive

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